Geburtstagstraditionen

Mein Geburtstag steht unmittelbar vor der Tür und wie jedes Jahr bekomme ich seit Tagen folgende Nachricht meine Freunde:

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Natürlich freue ich mich darüber, dass sich meine Freunde Gedanken machen, womit sie mir eine Freude machen können.

Nur kommt häufig auf meine Antwort: „ Ich freue mich, wenn du zur Feier kommst und wir einen tollen Abend/Tag haben.“ immer Folgendes zurück.

Na klar, aber ich meine, was ich dir schenken kann. Gibt es etwas was du dir wünschst?“

Und ich denke mir, ja, ich habe dir meinen Wunsch gerade mitgeteilt.

Ist unsere Gesellschaft bereits so materiell geprägt, dass es uns merkwürdig vorkommt, wenn sich jemand etwas immaterielles wünscht, wie einen netten Abend mit guter Laune und tollen Gesprächen?

Anscheinend schon, denn bei all diesen Fragen, wurde ich entweder entgeistert angeschaut oder musste öfters bestätigen, dass ich wirklich glücklich mit der Anwesenheit der Person bin.

Ich habe diese Info dieses Jahr sogar mit in die Geburtstags-Veranstaltung in Facebook  reingeschrieben, sie scheint aber dennoch als Trick gehandelt zu werden.

So nach dem Motto: „ Ja ja, sie sagt, dass sie nichts will, aber was ist wenn, ich tatsächlich mit „leeren“ Händen auftauche und sie dann enttäuscht ist oder gar an mir als Freund/in zweifelt?!“

Aber ihr könnt wirklich beruhigt sein. Ich hätte lieber gar kein Geschenk, als ein Dutzend unpersönlicher Gegenstände, die mal eben so gekauft wurden, nur weil es die gesellschaftliche Norm nun mal vorsieht, dass man zu Geburtstagsfeiern ein Geschenk dabei hat.

Was mir tatsächlich lieber ist, sind Geschenke, die wirklich vom Herzen kommen. Wo jemand durch die Gegend gezogen ist, und über etwas stolpert, wo er denkt, das könnte mir tatsächlich gut gefallen. Und meistens finden wir solche Geschenke, wenn wir nicht danach suchen und ganz ohne Zwang oder Druck durch Läden oder über Märkte streunen. Oder besser noch, etwas selbst basteln. Wie oft habe ich meinen Freunden Bildercollagen, ganze Fotoalben oder Kalender geschenkt und diese Geschenke kamen bei weitem immer am besten an. 🙂 Was ganz einfach daran liegt, dass mehr Liebe in solch einem Geschenk steckt.

Wie hier zum Beispiel, als ich zu meinem 24. Geburtstag eine selbst gebackene, vegane Buttercremetorte bekommen habe. Diese Torte hat sogar geglitzert. *_*

Und wenn jemand nu nicht DIE eine zündende Idee zum basteln oder das eine Supergeschenk gefunden hat, dann ist das eben so und absolut nichts, was einem sauer aufstoßen sollte. Ich habe mich allgemein zu einem Menschen entwickelt, dem materielle Dinge nicht mehr so wichtig sind. Das war durchaus mal anders. Vor einigen Jahren noch, habe ich ganze Listen in meinem Kopf aufgestellt, was ich mir von wem wünschen könnte. Was in wessen Preiskategorie passt, etc..p.p.. Mittlerweile ist mir dieser ganze Konsumwahn völlig zuwider und ich hasse es so sehr, wenn ich dazu gedrängt werde irgendwem etwas zu schenken, wo ich weiß, das ist nur notgedrungen und kommt nicht wirklich vom Herzen.

Allgemein diese Normierungen wann man wem etwas zu schenken hat. Was soll das eigentlich? Noch schlimmer als Geburtstage empfinde ich Weihnachten! Das ist einfach das furchtbarste Konsumfest dieser Gesellschaft und ich habe jedes Jahr aufs Neue mit einem ungeheuren Druck zu kämpfen. Es gab sogar Jahre, in denen ich mich, nur wegen Weihnachten, so tief ins Dispo katapultiert habe, dass ich da kaum mehr rauskam. Mit welchem Sinn eigentlich?!

Aber genug von Weihnachten. (Mir graut es jetzt schon davor, dass Anfang September wieder die ersten Schoko-Weihnachtsmänner in den Supermarktregalen stehen werden.)

Denn es gibt noch einige andere Geburtstagstraditionen, die ich einfach nicht verstehen kann.

Ich habe mal gehört, dass das nicht in jedem Land so ist und das erleichtert mich zutiefst. Allerdings ist es hierzulande irgendwie üblich, als Gastgeber einer Geburtstagsparty Geschenke für die Gäste parat zu haben. Ich kenne das noch aus meiner Kindheit, wo man immer so kleine Goodie-Bags für die kleinen Partymäuse vorbereitet hat. Damals waren diese Tüten gut bestückt mit einer Menge Süßigkeiten und bei einigen gutbetuchten Familien bekam man sogar ein kleines Spielzeug dazu.

Aber, ähm….WIESO?! Mit welchem Grund denn bitte? Dafür, dass ich es geschafft habe zu deinem Geburtstag gefahren zu werden? In der Schule musste man natürlich noch eine Geburtstagslage für alle Klassenkameraden liefern, dafür, dass sie sich gar nicht für dich interessieren….

Dieses Phänomen hat sich im Laufe der Jahre verändert, aber es ist dennoch da. Im Erwachsenenalter werden Die Tüten nur gegen Freigetränke in der Bar oder den Eintritt für den Club getauscht. Aber die Geburtstagslage auf der Arbeit gibt es immer noch. Aber mit welchem Sinn denn bitte? Was ich an dieser merkwürdigen Tradition nicht verstehe ist Folgendes: Es ist doch MEIN Geburtstag. Folglich sollte ich doch beschenkt werden, oder etwa nicht? Das man für die Tatsache, dass dich jemand anderes vor etlichen Jahren aus sich herausgepresst hat, belohnt bzw. beschenkt wird, sei mal dahin gestellt. (Nebenbei bemerkt, wie klasse wäre es denn, wenn man statt sich selbst, einfach die Mama an Geburtstagen beschenkt? Denn die haben tatsächlich eine wahre Leistung vollbracht!)

Aber als Geburtstagskind die Drinks meiner Gäste zu zahlen, verstehe ich vorne und hinten nicht. Ist es schon soweit gekommen, dass man seine Freunde und Bekannte „bestechen“ muss, damit sie überhaupt mit einem das eigene Leben zelebrieren? Oder würden sie auch so kommen? Ich bin mir bei meinen Freunden jedenfalls sicher, dass sie auch so zu meinem Geburtstag kommen werden, einfach weil sie mich gern haben. Auch wenn ich sie dieses Jahr ein wenig geschockt habe mit meiner Ich-will-echt-kein-Geschenk-Nummer. 😉

Ich für meinen Teil werde mich nun zurücklehnen, meine Mama morgen auf ein riesiges Stück Kuchen einladen und mich freuen, dass ich leben darf. Und das werde ich mit meinen liebsten Freunden tun. 🙂

Bis dahin alles Gute für euch.

Wir lesen uns, Andie

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