Virtueller Ungehorsam

Interessant. Wirklich interessant, durch welche inneren Konflikte ich in den letzten Wochen gegangen bin. Alles begann mit der Eingebung einen neuen Blog zu starten und diesmal ein komplettes Konzept an den Start zu bringen was rundum einfach nur Sinn ergeben sollte.

Das Thema war schnell gefunden: SELBSTFINDUNG.

Ich dachte mir, dies sei das perfekte Thema, da ich ja schon mein ganzes Leben auf der Suche nach dem „Wer bin ich überhaupt“ befinde. Der erste Eintrag war da auch schnell geschrieben.

Und dann: Leere….

Beziehungsweise, hatte ich wirklich viele Ideen, aber die wollten nicht mehr so ganz in mein Konzept passen. Ich sprudelte nur so über vor Sätzen und Texten und wollte nur noch schreiben.

Ich verfasste hier und da mal ein paar Anfänge. Dort kam mir ein Titel in den Sinn. Aber dies alles wollte einfach nicht so recht zusammenpassen.

Also stand ich vor einem riesigen Haufen Wortgrütze und Ideensfetzen. Und tue es noch.

Ich frage mich also: Andie, ergibst DU überhaupt Sinn? Kannst du dich selbst wirklich in ein Konzept zwängen, wo du doch von dir denkst, dass du ein fleischgewordener Widerspruch an sich bist? Kann man wirklich all die Facetten, die ein Mensch nun mal hat, wirklich in ein enges Konzept schnüren und all die anderen spannenden Themen, die das Leben bietet, außen vor lassen?

Oder sollte ich einfach gleich vier verschiedene Blogs erstellen. Für jedes Gebiet einen, damit ich nicht ZUVIEL in diesem hier anbiete?

Ich habe mich in den letzten Wochen wirklich eingehend damit beschäftigt, wie ich meinen Blog gestalten möchte. Man könnte jetzt natürlich meinen, dass ich mich ja VOR Veröffentlichung meines Blogs damit hätte beschäftigen können. Dann hätte ich jetzt diese Probleme nicht. Dazu sei aber gesagt, dass ich ein absoluter Bauchmensch bin. Wenn mir also eine Idee in den Sinn kommt, dann will ich das immer sofort umsetzen, damit ich es nicht vergesse oder damit immerhin ein Grundbaustein gelegt ist. Außerdem, so vielseitig, wie ich bin, hätte ich wahrscheinlich auch bei mehr Vorarbeit mit solchen Konflikten zu tun. Denn das kommt noch dazu: Ich zähle mich nicht als komplett fertig entwickeltes Individuum. Ich habe meiner Meinung nach noch einiges zu lernen und da kann es schonmal passieren, dass ich von heut auf morgen, zu einem Thema, eine VÖLLIG NEUE Einstellung und Meinung habe. Was dann natürlich auch zu einem Konzeptskonflikt (schönes Wort 😉 ) führen kann.

Dann kommt noch der Druck dazu, wöchentlich etwas „abzuliefern“, weil das ja alle so machen.. Und wenn man selbst da hinterher hinkt, klappt das bestimmt nie mit dem Schriftsteller Business.

So sind jedenfalls meine Gedanken, die letzten Wochen gewesen.

Ich bin einigen Online-Gruppen beigetreten, wo viele Blogger ihre Posts teilen und man darüber diskutieren kann, inklusive Verbesserungsvorschlägen, etc.

Finde ich grundsätzlich eine großartige Sache und bin froh, eine Plattform zu haben, in der ich mich mit anderen Bloggern austauschen kann und um gegebenenfalls auch mal eine Zusammenarbeit zu finden.

Allerdings, wird mir ganz Angst und Bange, wenn ich sehe, wie all die Leute regelmäßig ihre Einträge „raushauen“, Newsletter verschicken und schon innerhalb kürzester Zeit unfassbar professionell wirken, als hätten sie nie etwas anderes gemacht.

Versteht mich nicht falsch, ich finde das super! Und sie inspirieren mich tagtäglich und motivieren mich auch ein Stück.

Nur sitz ich dann häufig da….und will schreiben…..und dann kommt irgendwie nichts bei rum. Oder es würde nicht in mein Konzept passen. Oder, oder, oder…! Und dann vergeht wieder eine Woche, in der ich doch etwas schreiben, bzw veröffentlichen wollte, weil es ja alle auch so machen, aber mein Kopf so vollgepackt ist, dass ich es einfach sein lasse.

Am schlimmsten finde ich dabei sogar, dass ich häufig gar nicht anfange zu schreiben. Dabei liebe ich das Schreiben. Wenn ich einmal anfange, dann kann ich so schnell nicht aufhören. Ich vergesse dabei einfach alles um mich herum, manchmal sogar zu essen. Ich denke, das ist das, was man im Allgemeinen als Leidenschaft bezeichnet.

Nunja, Was ist nun also mit mir los? Dass ich nicht schreibe, wenn es mir in den Fingern kribbelt und ich seit Wochen nichts gepostet habe, obwohl ich doch groß geplant habe, das diesmal so richtig und regelmäßig zu rocken?

Hmm..Ich stehe mir wohl selbst im Weg, denn ich habe Erwartungen an mich gestellt, die ich gar nicht erfüllen kann. Ich habe mich selbst so unter Druck gesetzt, dass ich wie gelähmt war, jedenfalls was das Schreiben anbelangte. Ich habe mich versucht in ein Konzept zu stecken, obwohl mir doch nach all den Jahren mit mir selbst mittlerweile klar geworden sein sollte:

ICH PASSE EINFACH IN GAR KEIN KONZEPT!

Wie denn auch? Ich bin ein Mensch. Ich habe ein ganz normales Leben mit Auf’s und Ab’s. Das lässt sich nicht einfach in ein Konzept packen, jedenfalls nicht, wenn man über das Leben selbst schreiben will. Und auch einen Schreibimpuls kann und will ich nicht automatisieren und in einen Rhythmus packen. Ich will mich dann mitteilen, wenn mir etwas einfällt.

Ich möchte nur dann etwas veröffentlichen, wenn ich wirklich hinter der Thematik stehe und worüber ich lange genug nachgedacht habe um überhaupt etwas Gescheites darüber sagen zu können.

Vielleicht bin ich da etwas anders, als die anderen Blogger. Vielleicht muss ich das einfach anders angehen.

Ich war ja schon immer so, wie ich eben bin. Es gab Phasen in denen ich zwar sehr stark versucht habe mich anzupassen, um nicht anzuecken, aber irgendwie hab ich immer weniger Lust darauf, so zu sein, wie andere mich gern hätten.

Sorry Leute, aber so klappt das mit uns nicht. 😉

Das geht schon bei der Kleidung los, bzw. meinem gesamten äußeren Erscheinungsbild.. Ich ziehe mich immer so an wie ich mich eben fühle. Das gleiche gilt auch fürs Make Up und die Haare. Mein ganzes Auftreten ist eigentlich immer recht authentisch. Und das mag ich auch total gern an mir.

Ich wusste allerdings nicht, dass ich es beim Schreiben genauso handhabe. Ich scheine erst dann zu schreiben und etwas Gescheites hervorzubringen, wenn mir wirklich der Sinn danach steht. Und da kann es eben sein, dass ich mal ein, zwei Wochen wirklich keine Lust habe, bzw. gerade mit anderen Thematiken beschäftigt bin und einfach keine Konzentration finde. Und dann gibt es wieder andere Momente, in denen ich total inspiriert bin und den Kopf soweit frei habe, dass ich mich hier stundenlang hinsetzen kann und schreibe. Nun gut, weiß ich also Bescheid.

Nur, wenn ich ein solch launischer Schreiberling bin, werde ich jemals einen guten Blog erschaffen können?

Werde ich jemals treue Leser bekommen, auch wenn ich sie nicht regelmäßig mit Blogeinträgen „versorgen“ kann? Werde ich jemals von meiner Leidenschaft leben können?

Geht es anderen Blogger-Neulingen eigentlich auch so? Oder bin ich mit diesen Fragen ganz allein?

Sind das einfach nur Anfängerprobleme, mit denen ich mich rumärgern muss, oder bin ich wirklich einfach so launisch? Ist es normal, dass man eine gewisse Schreibroutine erst entwickeln muss. Und, will ich eine Routine entwickeln? Muss ich das?

Ich weiß, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Aber eigentlich läuft das Leben nicht so. Eigentlich kann man sich an nichts im Leben wirklich gewöhnen, da doch eh alles, was uns umringt, temporär ist. Alles kommt und geht. Ein ewiger Wechsel, eine ständige Welle der Veränderung. Unser ganzes Leben lang.

Wieso sollte ich mich also gegen diese Welle stemmen wollen?

Weil die Szene es vorgibt? Oder kommt es mir momentan nur so vor, also würde mir etwas vorgegeben werden?

Schließlich ist es ja MEIN Blog. Und da herrschen MEINE Regeln.

Aber wenn ich damit Geld verdienen möchte, irgendwann vom Schreiben leben möchte, muss ich meine Regeln anpassen?

Ich weiß, das sind wirklich ein Haufen rhetorischer Fragen, aber so sieht’s momentan in meinem Kopf einfach aus. Und ich frage mich wirklich, ob es nur mir so geht, oder ob es dem ein oder anderen Neu-Blogger auch so ergeht.

Nun fragt ihr euch sicherlich, wieso ich diesen Eintrag „Virtueller Ungehorsam“ genannt habe. Und das hat einen einfach Hintergrund: Er ist mir einfach so eingefallen.

Und er passt so schön zu mir und diesem Thema. Denn ich denke, ich werde mich niemals wirklich anpassen. Ich werde einfach so bleiben wie ich bin. Mein Ziel ist es einen echten, authentischen Blog zu kreieren, indem es um das ECHTE Leben geht.

Kein Beauty-Bling-Bling, kein Veggie-Yum-Yum. (Um das klarzustellen, ich lese solche Blogs selbst manchmal echt gerne, aber das gibt es alles ja irgendwie schon und…ich will einfach was anderes machen ;P ) Einfach nur ein Mädchen, die das Leben manchmal irgendwie nicht versteht und sich darüber mit einer Menge Menschen unterhalten möchte.

So simple.

Also habe ich mich dafür entschieden „Virtuellen Ungehorsam“ zu betreiben und werde einfach immer dann etwas posten, wenn es mir in den Kram und in die Inspiration passt. Ich denke, das wird mir eine menge Druck abnehmen.

Und wer weiß, vielleicht bekomme ich ja auch irgendwann einen Rhythmus und in einem Jahr seht ihr mich wöchentlich, immer am selben Tag einen Beitrag veröffentlichen. Aber ich will den „Teufel“ mal nicht an die Wand malen 😉

Bis dahin auf entspanntes bloggen!

Wir lesen uns, Andie

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